Das Europaforum im Sportbusiness in Meran begeistert
ambitions rief, und rund 150 Unternehmer, Sportler, Manager, Veranstalter, Verbandsmitglieder und Marketingfachleute kamen am Freitag, 9. September in den Pavillon des Fleurs im Meraner Kursaal, um über das Zusammenspiel von Sport und Wirtschaft zu diskutieren. Geprägt war die vierte Ausgabe des überregionalen, mehrsprachigen Branchentreffs vom Thema der Markenführung im Sport und bei Sportgroßereignissen. Was auf dem ersten Blick nur für Wirtschaftsexperten interessant scheint, hat die illustre Referentenrunde anschaulich und verständlich ans aufmerksame Publikum gebracht. Claudia Giordani, Mitinhaberin der Mailänder Agentur Slalom, und Silbermedaillengewinnerin im Slalom bei den Olympischen Winterspielen 1976 in Innsbruck, führte mit Sportzahlen aus Italien ein: 80 Prozent der Bevölkerung verfolgen zumindest eine Sportart, wobei wenig überraschend der Fußball mit 50 Prozent einsam an der Spitze liegt. Erst an siebter Stelle kommt – knapp hinter dem Radfahren - der Skisport mit 10 Prozent Anteil.
Ein kurzes Video mit klaren Statements lokaler Unternehmen stellte den lokalen Bezug zu Südtirol her und sorgte für Inputs in den kurzen Publikumsrunden.
Südtirols Skilegende Isolde Kostner, als ehemalige Empfängerin der Südtiroler Sporthilfe, hat die Win-Win-Situation einer idealen Sponsoring-Partnerschaft betont: „Ein Sportler kann eine Marke bekannt machen, eine Marke kann aber auch einen Sportler bekannt machen“, unterstich Kostner. Walter Ausserhofer, der Präsident der Südtiroler Sporthilfe, hat zum 25-jährigen Bestehen im nächsten Jahr ein rosiges Zukunftsszenario für seinen Förderverein entworfen: „Wir geben ein Erbe weiter. Die heute Jungen haben das bessere Rüstzeug als wir, um die Sporthilfe weiter zu bringen. Und die Sportvermarkter sollten mehr mit uns reden, um Talente früher und effektiver für das Sponsoring zu entdecken und sie darauf vorzubereiten.“
Rodellegende Markus Prock leitet mittlerweile eine Agentur für Sportmarketing, und betreut den Skispringerstar Gregor Schlierenzauer. Prock war schon als aktiver Sportler sein eigener Manager, und erklärte, wie Marken im Sport erfolgreich werben können. „Nur wenn ein „Local-Hero“ da ist, sind auch Sponsoren da“ so Prock,
Seinen „Local-Hero“ hat Andrea Vidotti aus Treviso in Südtirol gefunden. Der ehemalige Manager von Alberto Tomba und Giorgio Rocca hat seit wenigen Wochen den Super-G-Weltmeister Christof Innerhofer unter Vertrag. Nach Gold, Silber und bei der Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen binden sich Sponsoren in der Rege für mindestens drei jahre an den smarten Gaisinger. Christof Innerhofers Marktwert hat sich vervierfacht, sagte Betreuer Vidotti in Meran.
Einen messbaren Marktwert haben auch Sport-Großveranstaltungen, wie etwa der Skiweltcup in Gröden. Generaldirektorin Stefania Demetz zeichnete mit Witz und Ironie den Weg vom ersten FIS-Rennen in den 1960er Jahren bis zum Weltcup-Klassiker nach. 2009 lag der Werbewert für die Übertragung im Österreichischen Fernsehen ORF bei 5,6 Millionen Euro. Die Marken „Gröden“ und „Südtirol“ erzielten einen Werbewert von 1,5 Millionen Euro.
Freilich, so Demetz, sei Gröden nicht jährlich auf neue Sponsoren angewiesen. Entscheidend für die Zukunft sei es aber, ein noch stärkeres Augenmerk auf den emotionalen Wert für Publikum und Zuschauer zu legen. Das bestätigte selbst ein nüchterner Rechner, der Schweizer Remo Rusca, der in der Firma ZMS Analytics das Sponsoring penibel auf den Prüfstand stellt. Denn die Rechnung müssen selbst Großprojekte wie die Münchener Bewerber für die olympischen Winterspiele 2018 machen. Nach dem Scheitern gegen Südkorea zog in Meran Geschäftsführer Jürgen Bühl Bilanz: 33 Millionen Euro, fast alle aus der Privatwirtschaft, waren vielleicht ein zu niedriger Einsatz gegen die Übermacht von Samsung und Co. Aber einen Mehrwert hat München 2018 dennoch erzielt, durch nachhaltige Projekte und Initiativen in der Region, die für ganz Deutschland Vorbild sein können. Beim Thema Nachhaltigkeit kam der Meraner Martin Schnitzer ins Spiel. Er hat bei seiner Ausbildung zum Sportökonom eine Arbeit zum Thema „Bewertung von sportlichen Großveranstaltungen“ verfasst, und ist gerade dabei, die Bewerbung von Cortina für die Ski-WM 2017 auf den Weg zu bringen.
Für Südtirol wurde bei ambitions eine wissenschaftliche und wirtschaftliche Neuheit präsentiert. Zusammen mit der Freien Universität Bozen und dem Marktforschungsinstitut Dr. Gruber & Partner wird in den kommenden zwölf Monaten die erste, umfassende Studie „Sport Sponsoring Südtirol“ ausgearbeitet. Es soll ein wichtiges Instrument für Wirtschaft und Politik werden, und das heimische System auf den Prüfstand stellen.
Dass die Veranstalter mit ihrem Event-Format ins Schwarze treffen, zeigte auch die Bereitschaft des bunt gemischten Publikums sich „einzumischen“. Zu jedem Vortrag gab es Stellungnahmen und Fragen, die der bekannte ORF-Sportmoderator Rainer Pariasek gekonnt moderierte. Das kam an, bei der zahlreichen Prominenz, wie dem Meraner Bürgermeister Günther Januth, der Mountainbikerin Eva Lechner, die mit Glückwünschen für ihre Bronzemedaille bei der WM im Wallis überhäuft wurde, dem Verantwortliche der italienischen Mountainbiker Renato Riedmüller, dem „MTB-Colnago-Südtirol“-Teammanager Edmund Telser, Modechef Michi Klemera von „Luis Trenker“, Ex-Skitrainer Heinzpeter Platter, Ironlady Edith Niederfriniger, Wolfgang Resch, der beim internationalen Fußballverband FIFA Karriere macht, Karenz Putzer, die es nach dem Skirennsport auch zum Wirtschaftsstudium gezogen hat, und dem sportbegeisterten Ressortchef im Präsidium der Landesregierung Heinrich Holzer. Krankheitsbedingt (38 Grad Fieber) musste der junge Schwimmstar Lisa Fissneider aus Kaltern kurzfristig absagen. Würdig vertreten wurde die zweifache Juniorenweltmeisterin von ihrem Vater Klaus, den man angeregt mit Würth-Marketingchef Norman Atz oder mit Vertretern des Armin-Zöggeler-Sponsors VOG plaudern sah. Das Netzwerken und Fachsimpeln ging bis zum Abend beim Buffet auf der Kurhausterrasse weiter. Es zeigt, dass ambitions – sport meets business – inzwischen selbst zur heimischen Marke geworden ist.